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Feste Plätze an der Milchbar

Zum Zusammenhang von Saugordnung und Vitalität der Welpen

von Hartmut Wiedmann

 

Erstmals wurde bei Hundewelpen eine Saugordnung, eine feste Position an den Zitzen der Mutterhündin nachgewiesen. Demnach bedienen sich neugeborene Hunde während zwei Drittel bis drei Viertel der gesamten Säugezeit an demselben Zitzenpaar. Zu diesen Ergebnis kamen Arno Böhm und Prof. Dr. Steffen Hoy vom Institut für Tierzucht und Haustiergenetik der Uni Gießen, als sie 715 Hundewelpen aus 102 Würfen untersuchten.

 

Die Untersuchungen fanden zwar an der Rasse Beagle statt. Nach Aussagen von Steffen Hoy dürften aber bei anderen Hunderassen „ähnliche Verhältnisse“ vorliegen. Sein Rat: Um die Vitalität der Welpen zu sichern, ist den Jungen mit niedrigerem Geburtsgewicht eine besondere Fürsorge zu widmen. Ihnen sollte nach Möglichkeit beim Saugen ein Vorsprung gelassen werden, indem sie der Züchter an die hinteren Zitzen ansetzt.

 

Hundewelpen sind Nesthocker. Sie werden blind und taub geboren und können anfangs auch nicht riechen. Wenn sich die Hündin zum Säugen auf die Seite legt, sind die Jungen bei der Suche nach den Zitzen deshalb ausschließlich auf ihren Tast- und Temperatursinn angewiesen. Wie die Wissenschaftler herausfanden, bevorzugen die bei der Geburt schwersten und vitalsten Welpen das besonders gut durchblutete, warme Gesäuge in Schwanznähe. Die Welpen mit dem geringsten Geburtsgewicht werden dagegen zum ersten kopfwärts gelegenen Zitzenpaar abgedrängt. Die Folge: Die Welpen am hintersten Zitzenpaar waren am 20. Lebenstag bereits 44 Prozent schwerer als die am vordersten. Daraus ergibt sich bereits beim Hundenachwuchs eine Hackordnung: Die hintersten Zitzen versprechen die besten Startchance.

 

Die Experten der Uni Gießen hatten schon länger vermutet, dass die Welpensterblichkeit und Krankheitsanfälligkeit der Jungen nicht nur mit Infektionen, sondern auch mit dem Geburtsgewicht und vor allem auch mit der Vorliebe für bestimmte Zitzen zusammenhängen, so wie man das bei vorangegangenen Studien der Uni Gießen an Schweinen und Kaninchen schon herausgefunden hatte. Um der Sache auf den Grund zu gehen, beobachteten der Tierarzt Arno Böhm aus Wuppertal und Steffen Hoy vom Institut von der Uni Gießen über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren Beagle-Welpen und einen Wurf Hovawarts.

 

Damit die Wissenschaftler registrieren konnten, welcher Welpe wo Milch tankt, wurden die Zitzenpaare der Hündinnen vom Kopf aus schwanzwärts durchgezählt (links 1 bis 5 bzw. rechts 1 bis 5), und die Welpen bekamen mit einer speziellen Farbe eine Nummer auf den Rücken aufgemalt, damit man sie unterscheiden konnte. Nun kam es nur noch darauf an, genau festzuhalten, wie lange die Welpen an den einzelnen Zitzenpaaren saugten und ob die einzelnen Hunde bestimmte Zitzen bevorzugten. Im Durchschnitt saugten die Hundewelpen zu etwa zwei Dritteln an einem bestimmten Zitzenpaar. „Der hintere Bereich des Gesäuges ist gut durchblutet und weich. Dort ist es nicht nur am wärmsten und kuscheligsten, dort fließt auch die nahrhafteste Milch“, erklärt Steffen Hoy dieses Phänomen. Und da sich bei den Rangordnungsauseinandersetzungen die körperlich schwersten und vitalsten Welpen durchsetzten und vor allem die Zitzen, die in der Nähe der Rute lagen, besetzten, waren die schwächeren Hundebabys gezwungen, an den vorderen Zitzen zu saugen.

 

Die Ergebnisse sind wissenschaftlich gesprochen signifikant: Die Saugordnung in den ersten drei Wochen nach der Geburt hatte immensen Einfluss auf die Gewichtszunahme und Vitalität der Welpen. Je nachdem, an welchen Zitzen die Hundebabys die meiste Zeit nuckelten, nahm die Differenz zwischen den Welpen an den Zitzen 1 und 5 mit fortschreitendem Alter stetig zu. Welpen, die sehr oft am letzten Zitzenpaar getrunken hatten, wogen mit drei Wochen um 44 Prozent mehr als ihre Wurfgeschwister an Zitzenpaar 1. Zwischen männlichen und weiblichen Welpen gab es dabei nur ganz geringfügige Unterschiede. Die Entwicklungschancen in großen Würfen sind allerdings deutlich schlechter als in kleinen Wurfgemeinschaften.

 

Festzuhalten bleibt also: Die Beziehung zwischen Saugordnung, Zitzenposition und Gewichtsentwicklung hat nach Angaben von Professor Hoy einen „statistisch gesicherten Einfluss“ auf die Entwicklung des Körpergewichts in den ersten drei Wochen nach der Geburt – und damit die Entwicklung der Welpen generell.

 

 

 

 

Boxer Klub e.V. Sitz München - im VDH | Landesgruppe II Baden-Württemberg