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Keine Angst vor Trennungsangst

Von Hartmut Wiedmann

 

 

Wenn Hunde mit dem Alleinsein Probleme haben

Die Balkontüre ist angenagt, die Kratzspuren an der Wohnungstür sind noch tiefer geworden, der Feigenbaum steht auch ziemlich gerupft im Wohnzimmer und die Nachbarn haben sich erneut beschwert, dass Boxer Brutus mal wieder stundenlang Radau gemacht hat, gleich nachdem seine Besitzer das Haus verlassen hatten. Wenn Ihnen dieses Szenario bekannt vorkommt, dann kann es durchaus sein, dass Ihr Liebling unter Trennungsangst leidet. Doch das muss nicht sein. Fühlt sich ein Hund im sozialen Exil, dann haben wir ihm meist einen Grund dafür gegeben.

  

Das Problem ist in aller Regel hausgemacht. Wir sind selbst schuld, wenn Brutus partout nicht damit zurechtkommt, wenn plötzlich Schutz und Sicherheit des Rudels nicht mehr da sind. Hunde sind höchst soziale Lebewesen, die nur höchst ungern alleine sind. Was in der Natur durchaus zweckmäßig ist, wirft im Alltag eines domestizierten Einzelkindes und Stadtbewohners Probleme auf.

 

Angst macht Stress

Der Zusammenhang ist klar: Die Angst vor Vereinzelung erzeugt Stress – und der sucht ein Ventil, um nicht existenzbedrohlich zu werden. Die Folgen der Triebabfuhr sind bekannt: die Wohnung wird zum Abenteuerspielplatz, es wird gebellt und gejault, was das Zeug hält. Und weil das alles nicht hilft, schlägt Brutus der Stress noch aufs Gedärm – Durchfall! Die Annahme, der Hund zeige diese Verhalten aus purem Protest, allein aus Rache, um dem Hundeführer dafür zu bestrafen, dass er Brutus allein gelassen hat, ist grundfalsch. Ein Hund denkt weder in moralischen Kategorien noch vorausschauend oder zweckrational. Vor allem aber: Ein Hund hat kein schlechtes Gewissen – auch ein Boxer nicht.

Bestrafung wäre somit der falsche Weg, auch wenn der Verlust des teuren Ledersofas noch so sehr schmerzt. Denn Strafe wirkt – wenn überhaupt – nur dann, wenn der Übeltäter in flagranti erwischt wird. Alles andere schürt nur zusätzliche Angst vor der Wiederkehr des Besitzers. Die Unterwürfigkeit, die der Hund in solchen Fällen zeigt, ist äußeres Zeichen dafür – und nicht der Beweis, dass Brutus sehr wohl wisse, was er verbrochen habe. Jede Überreaktion der Besitzer erzeugt in solchen Situationen nur eines – weiteren Stress.

 

Gründe für Trennungsangst

Am Anfang ist die Rudelordnung: Ist Herrchen oder Frauchen besonders dominant oder besteht ein besonders enge Bindung, wird Brutus ein etwas unsicherer Zeitgenosse sein. Hat sich im Umkehrschluss Brutus mangels verbindlicher Regeln an die Spitze des Rudels gesetzt, bestimmt er den Alltag. In beiden Fällen ist das Ergebnis dasselbe: Alleinsein bedeutet Ausschluss aus dem Rudel und Verlust der Kontrolle – und erzeugt Stress. Trennungsangst kann aber auch in einem Trauma begründet liegen – oder in falsch verstandener Fürsorglichkeit. In diesem Fall geht der Mensch auf jede Forderung des Hundes zum Spielen und/oder Schmusen ein. Erfährt Brutus aber dauernde Aufmerksamkeit, wird es für ihn umso unbegreiflicher, sollte sie mal ausbleiben.

 

 

Was tun gegen Trennungsangst?

Am besten beginnt das Training bereits beim Welpen. Eine Hundebox – auf dem Markt gibt es praktische Varianten aus Nylon zum Zusammenklappen und Mitnehmen – tut hier gute Dienste. Wird Klein-Brutus schon von Anfang daran gewöhnt, dass es Phasen gibt am Tag (etwa nach den Mahlzeiten), an denen er Ruhe geben muss und sich ausnahmsweise niemand um ihn kümmert, ist die erste Hürde schon genommen. Die Box wird regelrecht zum Refugium, in die sich der Hundezwerg nach dem Toben sogar freiwillig zurückzieht.

Wer den Welpen allerdings immer erst dann „eindost“, wenn er das Haus verlässt, der löst das Gefühl des Wegsperrens erst aus – und erzieht dem Hund die Trennungsangst regelrecht an.

 

Dabei sei nicht unterschlagen, dass sich nicht alle Welpen gleich schnell an ihren „Platz“ gewöhnen. Die Regel wird sein, dass sich der Kleine zunächst bemerkbar macht nach dem Motto: Ich will da nicht bleiben! Ein Fehler wäre es in diesem Fall, sich dem Hund zuzuwenden – sei es strafend oder besänftigend. Im einen wie im anderen Fall hätte der Welpe seine Zuwendung bekommen, die er dann mit seinem Verhalten verknüpft. Weshalb, bitte schön, sollte er dann aufhören zu jammern? Zuwendung bekommt also Klein-Brutus erst dann, wenn er seine Sache gut gemacht hat.

 

Drei Schritte zum Erfolg

Ein Erfolg versprechender Weg ist das Unabhängigkeitstraining – drinnen und draußen. Geduld und Konsequenz sind die wichtigsten Voraussetzungen dafür; Maxime des Trainings sollte sein: lieber kurz und häufig als einmal und lang.

 

  1. Der Hund sollte zuhause einen festen Platz haben – nicht nur dann, wenn er alleine bleiben muss. Korb, Decke oder Hundebox (mit offener Tür) müssen als ein selbstverständlicher Ort vermittelt werden, der Sicherheit gibt. Wohlfühlen wird sich der Hund nur dann, wenn er irgendwie „bei der Musik“ ist – also nicht weggesperrt im Kellerraum oder im hintersten Winkel der Wohnung. Wird dem Hund sein Platz angenehm gemacht (was am besten mit Leckerlis funktioniert), dann wird er ihn nicht als Verbannung per Strafkommando empfinden.
  2. In einem zweiten Schritt versuchen wir nun, den Hund eine Zeitlang auf seinem Platz zu halten. Dazu legen wir ihn hin, loben ihn und verlassen kurz den Raum. Sobald der Hund aufsteht und uns nachlaufen will, gehen wir zurück, ignorieren sein Fehlverhalten, legen ihn wieder hin, loben ihn erneut – und verlassen wieder das Zimmer. Wenn diese Übung klappt, wird die Zeitdauer des Alleinseins allmählich verlängert. Wichtig dabei ist: Es muss uns gelingen, die Situation aufzulösen, bevor der Hund Stressverhalten zeigt!
  3. In einem dritten Schritt versuchen wir dann, das Haus zu verlassen. Um dem Hund den Eindruck zu vermitteln, dass jetzt nicht Besonderes passiert, lassen wir das Radio einfach weiterspielen. Das ist kein Patentrezept, aber ein oftmals wirksames Hilfsmittel. Auch bei diesem dritten Schritt gilt die Devise: lieber kurz und häufig als einmal und lang. Einen Fehler sollten wir unter keinen Umständen begehen. „Befreien“ wir den Hund, wenn er Theater macht, wird er sein Verhalten mit unserer Rückkehr verknüpfen – und erst recht die Nachbarschaft alarmieren: Hört mal her alle zusammen, ich bin allein!!

 

Parallel zu diesen Übungen lernen wir dem Hund auch im Freien das „Am-Platz-bleiben“: den Hund hinlegen, loben, immer einen Schritt weiter weg gehen, zurückkommen, Lernspiel aufheben, loben und spielen. Das „Alleinsein“ wird so als Aufgabe gelehrt – nicht als Bestrafung.

 

Die Sache mit den Schlüsselreizen

Ist die Trennungsangst schon drin im Hundehirn, weiß er ganz genau, mit welchen Schlüsselreizen es verbunden ist, wenn Frauchen und Herrchen das Haus verlassen: Schuhe werden angezogen, die Jacke von der Garderobe genommen, mit dem Schlüssel geklappert. Hört und sieht der Hund diese Signale, geht’s schon los mit dem Stress. In diesem Fall ist es unsere Aufgabe – zusätzlich zu den oben genannten Unabhängigkeitsübungen –, Verknüpfungen zu lösen und damit alte Verhaltensweisen erst gar nicht mehr „aufzurufen“. Das heißt konkret: Öfter mal den Schlüssel holen und damit rumspielen – gerade wenn Sie zuhause bleiben. Jacke anziehen und wieder auf die Couch sitzen, Schuhe anziehen und weiter fernsehen. Geht es dann wirklich außer Haus, den Hund schon eine halbe Stunde vorher weitgehend ignorieren und in der Lernphase Jacke und Schuhe erst draußen anziehen. Während all dieser Übungen versteht sich von selbst, das der Hund auf seinem Platz liegen bleiben muss – und dafür natürlich gelobt wird, wenn es klappt.

 

Weil unser eigenes Verhalten entscheidend ist für Erfolg oder Misserfolg, dürfen wir den Hund niemals unter einen zu hohen Erwartungsdruck setzen. Machen wir Fehler, können wir von unserem Hund nicht erwarten, dass er es korrekt macht. Richtig macht es der Hundebesitzer, wenn er auf übermäßiges Verabschieden und Begrüßen verzichtet. Kommen und Gehen müssen für den Hund zur Selbstverständlichkeit werden – nicht zum Stress auslösenden Ausnahmezustand.

 

Nicht alles ist Psychologie

Aber Vorsicht, nicht jeder Hund, der sich zuhause wie ein Räuber aufführt, leidet unter Trennungsangst. Brutus kann auch schlicht und einfach unterfordert sein. Und ist das der Fall, dann muss die überschüssige Energie halt irgendwo hin. Ein müder Hund – physisch durch einen Spaziergang und psychisch durch Such- und Lernspiele – legt sich meist problemlos in seinen Korb und ist dann auch mal froh, wenn er seine Ruhe hat. Wobei eines immer klar ist: Alleinsein hat seine Grenzen – auch für einen müden Hund.

 

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Boxer Klub e.V. Sitz München - im VDH | Landesgruppe II Baden-Württemberg